Transfer?! Die Ergebnisse der Paneldiskussion „Labormaßstab trifft auf Serie!“

Die Teilnehmenden der Paneldiskussion

Die Wirtschafts-Perspektive wird von unserem AiF InnovatorsNet Ambassador Erik Bossong, verantwortlich für das R&D Partner Network bei GROPYUS Technologies GmbH, und dem hochinnovativen Mittelständler und Gesellschafter bei der Schönborner Armaturen GmbH Thomas Ebert vertreten.

Die Positionen der Wissenschaft repräsentieren Prof. Holger Seidlitz, welcher den Forschungsbereich Polymermaterialien und Composite PYCO am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Personalunion leitet, und die Diplom-Ingenieurin für Feinwerk- und Medizintechnik beim Transferdienstleister Steinbeis Elke Zimmer.

Abwechslungsreiche berufliche Hintergründe und diverse Expertise — die rege Diskussion kann beginnen!

Was ist eigentlich Transfer?!

Fangen wir mit den Basics an. Im AiF InnovatorsNet spielt Transfer eine zentrale Rolle, um die Innovationskraft in Deutschland weiter voranzubringen. Aber wie kann man eigentlich diesen Begriff, den man im Alltag nun wirklich nicht oft hört, definieren? – unser Moderator Jan-Frederik Kremer hat nachgehakt.

Bossong findet: „Alles ist Transfer“ – also der Weg von Wissen, Informationen, Kooperationen, Kommunikation und vielem mehr in die verschiedensten Richtungen – sei es über Personal, Projekte oder Beratung. Transfer sei insofern erfolgreich, wenn beide Teilhabenden eines Transfer-Projektes einen Nutzen daraus ziehen können. Neben den Nutzen sieht Elke eine Kompetenzerweiterung für beide Parteien – allerdings unter der Voraussetzung einer Open-Innovation-Kultur.

Ebert gibt zu bedenken: „Ich möchte das nicht nur an Projekten festmachen. Es ist die Zusammenarbeit, das Kommunizieren mit den Hochschulen und den KMU, die den Transfer auslösen.“

Seidlitz geht dagegen einen Schritt weiter und beschreibt Transfer als Kreislauf und Spannungsfeld zwischen Studierenden, der Forschung und Unternehmen und nimmt als ein gelebtes Beispiel die Allianz „Polymerbasierter Leichtbau Brandenburg“.

Wir sehen an den unterschiedlichen Definitionen, dass das Thema rundum Transfer zwar komplex ist — aber umso präziser wird deutlich, wie elementar dieses Instrument für alle Innovationsschaffenden ist.

Der Forschung fehlen Daten, den Unternehmen eine Forschungsinfrastruktur

Die Legitimierung von Transfer fasst Bossong treffend zusammen. „Die Forschung liefert die Werkzeuge für ganz viele Dinge, die KMU machen wollen — die Werkzeuge brauchen Daten“, und hier erkennen wir den oben bereits erwähnten Kreislauf wider, „und diese Daten kommen wiederum aus den Unternehmen.“

Unser Moderator fügt hinzu, dass viele KMU dagegen keine Kapazitäten haben eine Forschungsinfrastruktur zu errichten: Öffentliche Förderprogramme wie ZIM, IGF oder BMBF-Programme schaffen hier eine immense Abhilfe, innovative Ideen konkret weiterzubringen. Die Unternehmer Ebert und Bossong können hiervon ein Lied singen: Denn ohne die IGF ist vorwettbewerbliche Forschung für KMU oft nicht umsetzbar. Seidlitz berichtet von seinen positiven Erfahrungen: „Jedes IGF oder ZIM-Projekt was wir gemacht haben, ist ein Jointlab. Man begegnet sich ganz eng und Vertrauen ist auch eine ganz wichtige Komponente.“

Personaltransfer – die Rolle von Studierenden

Thomas Ebert ist überzeugt, dass nicht nur allein die Kooperation zwischen Forschung und KMU einen Mehrwert mit sich bringt, sondern auch, dass Studierenden auf ein Unternehmen aufmerksam werden. Durch Transferprojekte zwischen Unternehmen und Universitäten, so Zimmer, würde die Lehre für Student:innen attraktiver werden, beispielsweise in Form von exzellenten Praktikumsplätze – bereitgestellt durch Kooperationspartner der Wirtschaft.

Bossong begrüßt dieses Unterfangen aus unternehmerischer Perspektive. Er selbst sucht händeringend für GROPYUS aktiv nach Leuten, die frisch von der Academia kommen, denn „sie bringen Wissen in einer Schnelligkeit mit, welches das Unternehmen zur gleichen Zeit nicht aufbauen kann.“

Und auch hier können wir eins beobachten: Alle Parteien profitieren vom Transfer!

Wie wichtig Kommunikation ist

Leider läuft im Leben nicht immer alles reibungslos — und auch im Transfer gibt es Barrieren. Bossongs Aussage zu diesem Thema spricht Bände: „Das Verhältnis zwischen einer Hochschule und einem Unternehmen rechtlich abzubilden ist, flapsig gesagt, ein Alptraum.“ Der echte Transfer, so Bossong, setze voraus, dass es einen geordneten Rahmen gebe. Passend dazu fügt Seidlitz hinzu, dass es immer auf die Akteure ankomme.

Vertrauen und Mut was Neues zu wagen ist elementar und ein gutes Projektmanagement hat einen essenziellen Charakter!

Der Moderator Kremer verweist in diesem Zuge auf den Marktplatz des AiF InnovatorsNet, bei denen schon so einige Transferprojekte entstanden sind – mit Freude und einer offenen Kultur, Innovationen zu gestalten.

Und was bringt uns das Ganze?

Auf die Frage, warum man Transfer betreiben soll, hat Ebert eine Antwort parat – die vor Allem im aktuellen Zeitgeschehen – bewegt: „Wissenschaft arbeitet nicht im luftleeren Raum. Forschung und Entwicklung hat das Ziel die Welt zu verbessern. Die Welt benötigt Lösungen, welche die Erreichung von Zielen ohne Umwege ermöglicht.“

Das war natürlich nicht alles, was in der fast eine stündige Podiumsdiskussion besprochen wurde. Besuchen sie das nächste Mal — am besten gleich als AiF InnovatorsNet-Mitglied — weitere innovative Veranstaltungen der besonderen Innovationscommunity und freuen sich über inspirierenden Input!